Sikh Religion
Eine Religion der universellen Brüderlichkeit - die fünftgrösste Weltreligion
Kernaussagen des Sikhglaubens
(Quelle: T-Series)
  • Die Sikhs glauben an Einen universellen Schöpfergott (monotheistische Religion).
  • Die Sikh Religion lehrt die Gleichheit aller Menschen und predigt, daß Menschen unterschiedlicher Herkunft, Religion und Geschlecht vor den Augen Gottes alle gleich sind. Frauen und Männer haben in der Sikhlehre dieselben Rechte.
  • Sikhs respektieren alle Religionen.
  • Sikhismus lehrt das Recht auf Religionsfreiheit und Selbstbestimmung. Alle Menschen haben das Potenzial Gott selbst zu erfahren und ihren eigenen gewählten Weg zu Gott zu verfolgen, ohne dabei andere zu verletzen oder unter Zwang zu konvertieren.
  • Die Sikh Religion betont die tägliche Hingabe an die Verinnerlichung Gottes. Ein Sikh sollte sich bei allem was er oder sie tut, an Gott erinnern (Naam Japo - den Gottesnamen chanten und rezitieren). Naam Simran praktizieren (auf Naam mit dem Gurmantra/Namen Gottes Waheguru meditieren).
  • Ein Sikh sollte moralische Verantwortung und Rechtschaffenheit präsentieren, ein ethisches als auch wahrheitsgemässes Leben führen.
  • Die Sikh Religion lehrt den Dienst an der Gemeinschaft. Die primäre Aufgabe im Leben eines Sikhs sollte es sein, den Armen, Notleidenden und Unterdrückten zu helfen.
  • Der Sikhismus lehnt den Polytheismus, Götteranbetung, Fasten, Rituale, Aberglauben und das Kastensystem ab.
  • Das Wort Sikh bedeutet im Punjabi Schüler. Sikhs sind die Schüler Gottes, die den Schriften und Lehren der zehn Sikh Gurus und dem Siri Guru Granth Sahib folgen.
  • Im Sikhismus ist der Konsum von Alkohol, Drogen und Tabak nicht erlaubt. Die grosse Mehrheit der Sikhs sind Vegetarier. Getaufte Sikhs (Amritdharis) sind Vegetarier.
  • Die 3 Grundprinzipien in der Sikh Religion

    Guru Nanak Dev lehrte drei fundamentale Grundlagen:

    • KIRAT KARO - Arbeite hart und aufrichtig für deinen Lebensunterhalt.
    • NAAM JAPO/NAAM SIMRAN - Erinnere Dich bei allem, was Du tust an Gott. Ein Sikh soll seinen Geist auf die göttliche Substanz, auf die Existenz und Realtität Gottes (Naam) richten. Dies geschieht in Form von Naam Japo (Rezitation) und Naam Simran (Meditation) auf die Identität Gottes mit dem Gurmantra Waheguru. (Waheguru ist die Terminologie für Gott in der Sikh Religion und das Gurmantra).
    • WAND CHAKKO - Teile das, was du hast, mit anderen.

Was ist Sikhi?

Sikhi ist ein universeller Lebensweg zur Vereinigung mit Gott, der von Guru Nanak Dev gelehrt wurde.

Satguru Nanak Dev bot der Menschheit diesen Weg an, um das Leben durch Weisheit (Gyaan) zu verstehen und die Vereinigung mit Gott durch das Praktizieren von Naam Simran - Meditation und Kontemplation auf Naam, der Existenz Gottes mit dem Gurmantra Waheguru und Seva  (selbstlosen Dienst) durch die Gnade Gottes zu erreichen sei. Waheguru ist die Terminolgie für Gott und heisst wunderbarer Herr/Erleuchter, jenseits aller Erklärungen, der die Dunkelheit zerstört, und das Licht der Erkenntnis bringt. Naam beschreibt das dynamische, kreative Prinzip, die Grundlage göttlicher Substanz, die Realität und Existenz Gottes.

Naam wird ebenfalls als der Name des Herrn (Gott) beschrieben. Naam Simran im Willen Gottes zu praktizieren, beschreibt Satguru Nanak Dev in Pauri 25 im Sri Japji Sahib Band khalasi Bhane hoe. Sikhi ist ein unviverseller Weg, der auf den Lehren Guru Nanak Dev Ji´s gründet und von den nachfolgenden neun Sikh Gurus fortgeführt wurde. Die Sikhlehre und die Weisheiten des Siri Guru Granth Sahib sind universell und somit offen und zugängig für jeden Menschen. Die Sikhi auch als Sikh Religion und Sikhismus bekannt, ist die fünftgrösste Weltreligion.

Wie entstand die Sikh Religion?

Die Grundlage der Sikh Religion, auch bekannt als Sikhismus und Sikhi wurde von dem ersten Sikh Guru, Guru Nanak Dev vorgegeben. Bevor Guru Gobind Singh, der letzte Sikh Guru in lebender Gestalt, 1708 von dieser Welt ging, ordnete Er an, daß die Heilige Schrift, der Siri Guru Granth Sahib, von nun an der ewig-lebende Guru, die höchste spirituell-religiöse Führung der Sikhs sein wird. In der Sikh Philosophie verweist das Wort Guru auch auf Gott. Gott und Guru werden in der Heiligen Schrift, dem zeitlosen Guru der Sikhs synonym in der Gurbani (dem Wort Gottes/Gurus), bezeichnet. Die Gurbani ist das Wort Gottes/Gurus, dass die zehn Satgurus von Akaal Purakh/Waheguru -Gott- empfangen und der Menschheit offenbart haben.

Der Siri Guru Granth Sahib ist die einzige Heilige Schrift in der Welt, der Reine Shabad Guru, Jaagdi Jot; das ewig existierende Licht Gottes, die zu Lebzeiten Ihrer Verfasser geschrieben und zusammengestellt wurde. Der Sikhismus ist eine der großen Weltreligionen, die fünftgrößte Religion mit derzeit 26 - 27 Mio. Anhängern. Der Sikhismus ist eine monotheistische Religion, die ihren Ursprung während des 15. Jahrhunderts in der nord-westlichen Region des Punjabs auf dem indischen Subkontinent hat.

Die fundamentalen Glaubensvorstellungen des Sikhismus sind in der Heiligen Schrift, dem ewig zeitlosen Guru der Sikhs, dem Siri Guru Granth Sahib, artikuliert. Sie beinhalten: Vertrauen auf Gott, Naam Simran/Naam Meditation auf den Einen, transzendenten, allesdurchdringenden und omnipräsenten Schöpfergott Waheguru (Gurmantra). Die Gemeinschaft und Gleichheit aller Menschen, selbstloser Dienst an der Gemeinschaft, das Streben sozialer Gerechtigkeit zum Wohle und Wohlstand aller, aufrichtiges Verhalten sowie Bestreiten des Lebensunterhalts aus eigener Kraft.

Die Sikh Religion entstand als Satguru Nanak Dev sich in menschlicher Form auf dieser Welt manifestierte. Zu dieser Zeit herrschten die Pathana, eine islamistische Kaste, über die Region, später die Mogulen. Es war eine Zeit der politischen, religiösen und sozialen Unruhen. Zwei der Sikh Gurus, der fünfte Sikh Guru, Guru Arjan Dev und der neunte Sikh Guru, Guru Tegh Bahadur, wurden von den Mogul Herrschern gefoltert und hingerichtet, nachdem Sie es ablehnten zum Islam zu konvertieren. Die beiden jüngsten Söhne des zehnten Sikh Gurus,  Baba Zorawar Singh und Baba Fateh Singh, wurden bei lebendigen Leib in einem zarten Alter eingemauert, als auch sie es ablehnten zum Islam zu konvertieren. Die islamische Ära der Hinrichtung von Hindus, Sikhs und anderen Glaubensrichtungen auf dem indischen Subkontinent, der Verlust von Freiheit, Selbstbestimmung und Rechtschaffenheit erforderten Massnahmen. Die praktische und höchst vorbildliche Lebensweise der Sikh Gurus sowie die Offenbarung der Gurbani (dem Wort Gottes/Gurus), deckten alle Aspekte der Vollkommenheit ab, sodass im Willen Gottes die Aufgaben an den Khalsa Panth, die Bruderschaft der Reinen und Souveränen übergeben werden konnte. Der Khalsa Panth wurde auf den Willen Gottes - Akaal Purakh/Wahegurus - durch den zehnten Sikh Guru, Guru Gobind Singh, erschaffen. Der Khalsa Panth steht im Einsatz für die Aufrechterhaltung der Rechtschaffenheit, Wahrheit, Religionsfreiheit und Selbstbestimmung aller, als auch für den Schutz aller Menschen gegen Unterdrückung und Tyrannei.

Guru Nanak Dev etablierte das System einer kostenlosen Gemeinschaftsküche, genannt Guru Ka Langar, um die Notwendigkeit des Teilens und die soziale Gerechtigkeit aller Menschen zu demonstrieren. Um ein friedvolles, sozial-gerechtes Miteinander unabhängig von Kaste, sozialem Status, Herkunft, Bildung, Geschlecht und Religionszugehörigkeit zu stärken, was zur damaligen Zeit gesellschaftlich, religiös und politisch revolutionär war. Das Guru Ka Langar symbolisiert auf metaphysischer Ebene, dass jeder Mensch manifestierter Ausdruck des inen omnipräsenten Schöpfers ist. Guru Hargobind, der sechste Sikh Guru, etablierte das Miri/Piri System, welches gleichwertig auf politisch/temporärer Ebene (Miri) und religiös/spiritueller Ebene (Piri) koexistiert. Guru Hargobind hat aus der Notwendigkeit heraus, nach der Anweisung seines Vaters, Guru Arjan Dev, eine Verteidigungsarmee aufgebaut, um die Menschen vor Unterdrückung, Tyrannei und Zwangskonvertierung zu beschützen. Die zukünftigen Krieger sollten über die Qualitäten eines Sant (Heiligen) verfügen und über die Qualitäten eines rechtschaffenden Kriegers in sich vereinen.

Der Begriff des Sant-Sipahi entstand in diesem Zusammenhang. Sant wird benutzt, um auf eine weise, wissende und rechtschaffende Person zu verweisen. Eine Person mit Erfahrung und Wissen über Gott und seine Schöpfung. Ein Sant vergisst nie den Namen Gottes (Waheguru), er lebt in Gottesfurcht und handelt im Willen Gottes. Sipahi bedeutet Krieger/Soldat, bereit zu sein, für einen rechtschaffenden Zweck sein Leben einzusetzen, um die Rechtschaffenheit und Wahrheit aufrechtzuerhalten und stets die Schwachen und Unterdrückten zu beschützen.

Die Grundlagen des Sikhismus basieren auf Naam Japo/Naam Simran (Rezitation und Meditation auf den Namen Gottes Waheguru (Gurmantra), Lobpreisung durch Shabad Kirtan (Singen und Musizieren der Heiligen Hymnen der Gurbani im Siri Guru Granth Sahib), Seva (selbstloser Dienst) und der Ausübung des Nitnem (der täglichen Sikhgebete). Dieses System etablierten die Sikh Gurus, um die Anwesenheit Gottes zu spüren, sich mit Akaal Purakh Waheguru zu verbinden, und dabei die Überwindung der Maya zu erreichen. Die Panj Chor sind: Lust, Wut, Habgier, emotionale/materielle Anhaftung und das Ego.

Guru Nanak Dev lehrte:

Ein aktives, kreatives und bodenständiges Leben voller Aufrichtigkeit, Treue, Selbstbeherrschung und Reinheit zu führen, das über der metaphysischen Wahrheit steht. Der ideale Mensch ein Mensch sei, der die Vereinigung mit Gott erreicht, Seinen Willen (Hukam) erkennt, den Willen ausführt, und nach dem Willen Akaal Purakh/Wahegurus lebt.

Ik Onkar - Nirgun Aspekt und Sargun Aspekt

Der Sikhismus weist darauf hin, daß es Einen universellen Schöpfergott - Ik Onkar gibt, der omnipräsent, allumfassend, alldurchdringend die gesamte Schöpfung und ihre unzähligen Universen kreierte und in allem existent ist. Diese singulare Entität von Ik Onkar ist in zwei Kategorien unterteilt: dem Nirgun Aspekt und dem Sargun Aspekt

Gott im Nirgun Aspekt ist ohne Attribute, unmanifest, formlos, nicht sichtbar, dennoch alles durchdringend, omnipräsent, der ewige, zeitlose, transzendentale Aspekt der Göttlichen Realität.

Gott wird in seinem Nirgun Aspekt in der Sikh Religion mit folgenden Terminologien beschrieben:

  • WAHEGURU wundervoller Herr/Erleuchter, jenseits aller Erklärungen, der die Dunkelheit zerstört, Licht und Wissen bringt - Guru: Gu heisst Dunkelheit, Ru, der die Dunkelheit zerstört und das göttliche Licht der Erkenntnis bringt.
  • AKAAL PURAKH Der ewige, zeitlose Eine, der niemals stirbt, jenseits von Zeit und Raum ist.
  • SATGURU Der Wahre Aspekt und Ausdruck der göttlichen Wahrhaftigkeit.
  • SAT NAM Sein Name ist Wahrheit.

In seinem Sargun Aspekt ist Gott mit Qualitäten, Eigenschaften und Attributen ausgestattet. Er ist manifest, sichtbar, immanent in der gesamten Schöfpung, wiederzufinden in der Gurbani - in den Heiligen Hymnen und Versen des Siri Guru Granth Sahib, sowie in der Verkörperung und Manifestation der zehn Satgurus auf Erden, die Ausdruck der göttlichen Wahrhaftigkeit sind.

Im Sikhismus verweist das Konzept Gottes auf WAHEGURU. Waheguru (Gott) - ist der Schöpfer und die Basis des Universums. Gott ist gestaltlos, zeitlos und unsichtbar - Niraṅkār, Akaal und Alakh. Am Anfang des ersten Textes der Heiligen Schrift, dem ewig lebenden Guru der Sikhs, steht geschrieben, daß Gott omnipräsent mit unendlicher Kraft über Alles steht und dies durch den Begriff Ik Onkar - Es gibt nur einen universellen Schöpfergott - verdeutlicht wird. Die Sikhs glauben, daß vor jeder Schöpfung nur Gott und Shabad (Naam) existierte und durch Gottes Hukam (Gottes Wille) der gesamte Kosmos und die Schöpfung erschaffen wurde.

Das Konzept Gottes wird auch als Akaal Purakh (der ewige Schöpfergott, der niemals stirbt, jenseits von Zeit und Raum ist) und Nirankar (formlos) beschrieben. Guru Nanak Dev hat desweiteren erklärt, daß das Verständnis von Akaal  jenseits der menschlichen Wahrnehmung liegt, doch zur gleichen Zeit nicht völlig unverständlich oder nicht zugängig sei. Akaal Purakh ist omnipräsent Sarav Viāpak in allen Schöpfungen und für die Weisen und spirituell Erwachten überall sichtbar. Guru Nanak Dev betonte, daß Gott durch das Innere Auge oder das Herz eines Menschen, das sich Gott öffnet, mit Gottes Gnade wahrgenommen werden kann. Der Kanal hierzu ist das Praktizieren von Naam Simran, der Meditation auf den Namen Gottes/Gurmantra Waheguru. Naam, die göttliche Existenz und die Gurbani haben einen kosmischen Klang. Dieser wird als Naad - die kosmische Klangschwingung bezeichnet. Durch das Praktizieren von Naam Simran und dem sich Verbinden mit der Gurbani - dem Heiligen Wort Gottes, wird diese Klangschwingung im menschlichen Bewusstsein schrittweise belebt und manifestiert sich.

Sing the Glorious Praises of the Immaculate True Lord forever, and the Immaculate Sound-current of the Naad shall vibrate within. (SGGS, Ang 121)
The Guru tells us: Repeating the Naam, the Unstruck Sound-current of the Naad resounds. (SGGS, Ang 1144)

Die Essenz der Sikh Lehre ist von Guru Nanak Dev in diesen Worten zusammengefasst:

Realisierung der Wahrheit ist höher als alles andere. Noch höher ist ein wahrhaftiges Leben.

Die Sikhlehre betont das Prinzip der Gleichstellung aller Menschen und lehnt Diskriminierung auf Basis von Kaste, Herkunft, Religion und Geschlecht ab. Die Sikh Prinzipien ermutigen zu einem Leben als Haushälter.

Das Ik Onkar Symbol in der Sikh Religion bedeutet:
Ik - eins und Onkar - universeller Schöpfergott Es gibt nur einen universellen Schöpfergott.

Das Khanda Symbol in der Sikh Religion: Das Khanda Symbol ist eines der wichtigsten Symbole im Sikhismus. Die Sikh Flagge (Nishan Sahib) beinhaltet das Khanda Zeichen. Es ist eine Kollektion von vier Waffen. Im Zentrum steht das zweischneidige Schwert, das die kreative Kraft Gottes, das gesamte Universum und das Schicksal des Universum repräsentiert. Das Khanda steht für göttliches Wissen, seine Klingen trennen die Wahrheit von der Falschheit. Die Bedeutung der zwei Krummschwerter: das erste Schwert steht für die politisch/weltliche Führung (Miri), das zweite Schwert symbolisiert die spirituelle, religiöse Kraft (Piri). Im Inneren der zwei Schwerter um das Khanda befindet sich ein Kreis, der Chakkar genannt wird. Zwischen beiden - Miri und Piri - muss ein Gleichgewicht bestehen, dies wird durch den inneren Kreis symbolisiert, der die gesamte göttliche Manifestation umfasst, der die Anfangs- und Endlosigkeit als auch die Perfektion Gottes und seiner Zeitlosigkeit dargstellt.

                        

Mool Mantra

Das Mool Mantra ist das fundamentale Gebet in der Sikh Religion, welches Guru Nanak Dev von Akaal Purakh Waheguru empfangen und der Menschheit offenbarte. Das Mool Mantra beschreibt und fasst das gesamte Konzept des Sikhglaubens zusammen. Das Mool Mantra ist so, wie es am Eingang des Sri Harmandir Komplex steht (bis Nanak hosee bhee sach), vollständig.

ਵਾਹਿਗੁਰੂਜੀਕਾਖਾਲਸਾ ਵਾਹਿਗੁਰੂਜੀਕੀਫਤਹਿ॥
ੴ ਸਤਿਨਾਮੁ ਕਰਤਾ ਪੁਰਖੁ ਨਿਰਭਉ ਨਿਰਵੈਰੁ ਅਕਾਲ ਮੂਰਤਿ ਅਜੂਨੀ ਸੈਭੰ ਗੁਰਪ੍ਰਸਾਦਿ॥
॥ ਜਪੁ ॥
ਆਦਿਸਚੁ ਜੁਗਾਦਿਸਚੁ॥ ਹੈਭੀਸਚੁ ਨਾਨਕ ਹੋਸੀਭੀਸਚੁ॥੧॥
Es gibt nur einen omnipräsenten Schöpfergott. Ik Onkar
ਸਤਿਨਾਮੁ Sein Name ist wahr. Satnam
ਕਰਤਾ ਪੁਰਖੁ Er ist der Schöpfer aller Manifestationen, alldurchdringend. Karta Purakh
ਨਿਰਭਉ Er ist ohne Furcht. Nirbhao
ਨਿਰਵੈਰੁ Er ist ohne Feindschaft. Nirvair
ਅਕਾਲ ਮੂਰਤਿ Er ist unsterblich. Akal Murat
ਅਜੂਨੀ Gott ist jenseits von Geburt. Ajuni
ਸੈਭੰ Er ist selbstexistierend - selbsterleuchtend. Saibhang
ਗੁਰਪ੍ਰਸਾਦਿ Er wird durch die Gnade des wahren Gurus realisiert. Gur prasad
॥ ਜਪੁ ॥ Rezitiere Seinen Namen. ॥ Jap ॥
ਆਦਿਸਚੁ Er existierte von Anbeginn an. Aadh sach
ਜੁਗਾਦਿਸਚੁ Er existierte vor Seiner Schöpfung. Jugaadh sach
ਹੈਭੀਸਚੁ Er ist hier und jetzt allgegenwärtig. Hai bhee Sach
ਨਾਨਕ ਹੋਸੀਭੀਸਚੁ॥੧॥ Guru Nanak Dev sagt, Gott wird für immer und ewig existent und wahr sein. Nanak hosee bhee Sach ॥1॥

Der Sinn des Lebens in der Sikhi

Gemäß Guru Nanak Dev ist der höchste Sinn des menschlichen Lebens, sich mit Gott - Akaal Purakh/Waheguru zu vereinigen. Die fünf Feinde - die Panj Chor (Lust, Zorn, Gier, Emotionale/materielle Anhaftung und das Ego), sind die bindenden Eigenschaften der Maya (Scheinwelt/Illusion). Die Fünf Feinde sind die größte Hürde, um die Vereinigung mit Gott zu realisieren. Durch Befolgen der Lehren der Sikh Gurus, sich stets an Naam zu erinnern, die Realität, Existenz und Allmacht des Schöpfers zu vergegenwärtigen, auf Waheguru zu meditieren, Naam Simran, erreicht der Gläubige einen reinen Geist, Stärke und Festigkeit und kann durch die Gnade Gottes die Maya transzendieren und die Einheit mit dem Schöpfers erlangen.

Guru Nanak Dev bezeichnete das Wort Guru als die Stimme der Seele - die Quelle der Weisheit und die Führung zur Vereinigung mit Gott. So wie Ik Onkar universal immanent ist, ist der Guru nicht von Akaal Purakh zu unterscheiden. Beide sind ein und dasselbe. Man verbindet sich mit Guru nur durch ständige selbstlose Suche nach der Wahrheit.

Schließlich realisiert der Suchende, daß es das eigene innere Bewußtsein ist, welches den Ursprung in Gott hat. Der menschliche Körper ist nur ein Mittel, um die Vereinigung mit der Wahrhaftigkeit (Gott) zu erreichen. Sobald die Wahrheit -Gott- im Bewusstsein einer Person zu erstrahlen beginnt, der Geist sich Waheguru vollständig ergeben hat, offenbart sich die Essenz und Herrlichkeit Gottes in seiner gesamten Schöpfung.

Maya im Sikhismus

Maya, wird als eine temporäre Illusion oder Unwirklichkeit definiert. Sie ist eine der grundlegendsten Ablenkungen bei dem Vorhaben Gott zu erreichen. Dort, wo weltliche Anziehung und Verhaftung dem Menschen temporäre Befriedigung geben (Freude als auch Leid und Schmerz), wird der Suchende im Prozess der Hingabe zu Gott aufgehalten. Guru Nanak Dev betont, dass die Maya nicht als eine Referenz zur Unwirklichkeit der Welt anzusehen sei, sondern aufgrund ihrer bindenden Eigenschaften, die sie repräsentiert. Sobald der Mensch von Gott, vom Namen Gottes getrennt ist, kann die Maya mit Ihren Eigenschaften, den Menschen noch stärker an die Scheinwelt und Illusionen binden. Folgedessen wird neues Karma akkumiliert und der Kreislauf von Wiedergeburt und Tod kann nicht durchbrochen werden. Akaal Purakh/Waheguru -Gott selbst- hat die Maya erschaffen. Aus dieser Verbindung gehen die 3 Formen: Tamas, Rajas und Sattwa hervor. Sie wirken durch den gesamten Schöpfungsmechanismus.

Maya Gott - Akaal Purakh Waheguru
Asat = ist nicht wahr Sat = Er ist wahr
Jarh = tote Entität Chit = Er ist ewig lebend
Dukh = Leid, Sorgen Anand = Er ist Glückseligkeit, Freude

Die vier Schichten der Persönlichkeit (Antischkarm) die Gott - Akaal Purakh/Waheguru verdecken:

Man Geist
Budh Intellekt, Wissen, Unterscheidungskraft,
Chit Speicher von Erfahrungen, Zweifel, Probleme,
Ahankar Ego

Wenn die vier Ebenen der individuellen Persönlichkeit transzendiert werden, ist der Zustand von Brahm Gyan erreicht.

Fünf Diebe/Feinde (Pānj Chor) im Sikhismus

Im Sikhismus sind die Einflüsse von Lust, Zorn, Gier, emotionale/materielle Anhaftung und Ego als die Fünf Feinde (Pānj Chor) bekannt, von denen man weiss, daß sie den Weg zu Gott erschweren. Die bindenden Eigenschaften der Maya, die fünf Feinde, die Eigenschaften des Geistes, können für den Menschen schmerzhafte Auswirkungen zur Folge haben. Sikhs glauben, daß sich die Welt momentan in einer Phase des Kali Yuga befindet. Das Kaliyuga ist das Zeitalter der Dunkelheit, wo die Welt durch die Liebe zur Dualität und die Verhaftung an die Maya die Einheit mit Gott verhindert.

  • Kaam       Lust
  • Krodh      Zorn
  • Lobh        Gier
  • Moh         Emotionale/materielle Anhaftung
  • Hankaar  Ego (auch als Haumai bekannt)

Das Schicksal der Menschen, die den Fünf Feinden, den Eigenschaften der Maya ständig ausgeliefert sind, resultiert in einer Trennung zu Gott, was zu Dualität, Verlust von Seelenfrieden, Liebe, Mitgefühl, Respekt und Rechtschaffenheit führt. Handlungen, die sich gegen das göttliche Naturgesetz richten, häufen neues Karma auf individueller als auch auf kollektiver Ebene an. Um den schwer zu kontrollierenden Geist zu bändigen, ihn von den Millionen von Eindrücken der Lebenszyklen (Sanskar) zu reinigen, ihn von der Anhaftung an die Maya zu befreien, wird dem Aspiranten in der Sikh Religion der Name Gottes, das Gurmantra Waheguru als Medizin verschrieben.

Naam is the all-curing medicine and Naam is the act of atonement. The Name of the Lord, God, is the Support of the soul and the breath of life. (Raag Gauri, Ang 184, SGGS)

Mit der Wiederholung des Gottesnamens (Gurmantra) beginnt der Geist eine Verbindung zu Gott aufzubauen. Der Geist beginnt sich nach Gott zu sehnen, er nimmt die Existenz und die Qualitäten des Schöpfers immer mehr in seinem eigenen Bewusstsein wahr.

Of all religions the best religion is to repeat the Lord's name. This alone is the most pious of deeds. Parabh kaa simran sabh tay oochhaa, parabh kai simran udhray moochaa.
(Gauri Sukhmani, Guru Arjan Dev, 263)
Fünf Tugenden im Sikhismus

Die Fünf Tugenden werden durch die Verankerung im Namen Gottes/Gurmantra Waheguru im menschlichen Bewusstsein erweckt und manifestiert. Somit ist der Weg der Sikhi einzigartig.

  • Sat          Wahrhaftigkeit
  • Daya       Mitgefühl
  • Santokh Zufriedenheit
  • Nimrata  Demut, Wohlwollen, Bescheidenheit
  • Pyar        Liebe zu Gott und seiner Schöpfung
System der Sikh Gurus

Ein Leben in Hingabe an Waheguru Gott zu leben, eine optimistische Grundeinstellung Chardi Kala zu behalten, dem Willen Gottes zu folgen Hukam, sich stets an Gott zu erinnern, Naam Japo/Naam Simran, zu praktiziern, Shabad Kirtan zu singen, die Ausübung des täglichen Nitnem und sich selbstlos in der Gemeinde engagieren Seva, wird einem die Kraft geben, die Einflüsse der Maya, die vier Ebenen der Persönlichkeit und die Fünf Feinde zu minimieren und sie eines Tages mit der Gnade Gottes zu transzendieren, um die Einheit mit Akaal Purakh Waheguru zu erreichen. Die Sikhs glauben, daß die Gemeinschaft des Sadh Sangat die Heilige Versammlung im Gottesdienst der Sikhs, einer der Schlüssel ist, sich mit Gott zu verbinden.

Guru Nanak Dev's Ideal ist das Öffnen seiner Selbst zum göttlichen Namen und die Anpassung an das Dharam, Rechtschaffenheit. Dies ist die Göttliche Anweisung/Auftrag (Hukam). Guru Nanak Dev beschrieb das Ergebnis der disziplinierten Anwendung von Naam Simraṇ als ein

Wachsen in Richtung Gott

Die letzte Ebene ist Sach Khand (Das Reich der absoluten Wahrheit und Ewigkeit, die höchste spirituelle Ebene) - die endgültige Vereinigung mit Gott.

Karma im Sikhismus

Es gibt drei Formen von Karma, die im Sikhimus erwähnt werden: 1. Sanchit: Karma, dass wir über viele Leben angesammelt haben. 2. Paralabdh: Karma, dass wir in dieses Leben mitbringen. 3. Kiriaman: Das gegenwärtige Karma, welches aus den neuen Handlungen entsteht.

Im Sikhismus wird das Karma durch das Konzept von Gottes Gnade Nadar, Mehar, Kirpa, Karam etc. verändert.
Guru Nanak Dev sagt:

Der Körper wird aufgrund von Karma (Ego-Ahankar) geboren, aber Erlösung wird nur durch die Gnade Gottes erreicht.
Reinkarnation im Sikhismus

Im Japji Sahib, welches von Guru Nanak Dev verfasst wurde, werden fünf Disziplinen aufgeführt, die den Menschen aus dem Rad der Reinkarnation (der Wiedergeburt) herauslösen:

  • Dharam: Das Reich der Rechtschaffenheit, spirituelles Gesetz. Pflicht und Verantwortung für die eigenen Taten zu übernehmen, ein moralisch rechtschaffendes Leben zu führen.
  • Gyan: Das Reich des Wissens/Weisheit - Wissen über Gott und Seine Schöpfung zu erlangen.
  • Saram: Das Reich der Demut - Reinigung des Geistes durch Anstrengung und Bemühen.
  • Karam: Das Reich der Gnade - Selbstlosigkeit führt zu Göttlicher Gnade und Stärke des Geistes.
  • Sach: Das Reich der absoluten Wahrheit und Ewigkeit - die höchste spirituelle Ebene.

Khand (bedeutet Ort), Dharam, Gyan, Saram, Karam und Sach verweisen auf die Ethik von der Wurzel bis hin zum Thron des Allmächtigen.

Gurbani und Shabad Kirtan

Sikhs verweisen auf die heiligen Hymnen der Gurus als Gurbani (Gurbani ist das Wort Gottes, welches die Sikh Gurus empfangen und der Menschheit offenbart haben). Shabad Kirtan  ist das Singen der Heiligen Hymnen. Die gesamten Verse des Siri Guru Granth Sahib sind in einer Form von Poesie und Reim verfasst, um in 31 Raags rezitiert zu werden. Guru Nanak Dev begann die Shabad Kirtan Tradition und lehrte das Praktizieren von Kirtan. Ebenso ist das Hören von Shabad Kirtan ein kraftvoller Weg, um innere Ruhe und eine meditative Haltung zu erreichen. Den Einen Universellen Schöpfergott mit Hingabe zu besingen, die Gurbani zu rezitieren, ist ein effektiver Weg, um in Einklang mit Akaal Purakh/Waheguru zu kommen.

Meditation und Kontemplation ist fruchtlos ohne Dienst und Taten

Die Sikhs haben gelernt, daß selbstloser Dienst Seva und wohltätige Arbeit  den Gläubigen dazu befähigen, die fünf Feinde, zu denen auch das Ego zählt, zu bändigen.

In der Sikh Religion gibt es drei Formen von Dienst:

  • Tan - physischer Dienst
  • Man - mentaler Dienst
  • Dhan - materieller Dienst

Guru Nanak Dev betonte Kirat Karō: ein Sikh sollte aufrichtig seinen Lebensunterhalt verdienen und einen Ausgleich zwischen Arbeit, Anbetung und Nächstenliebe herstellen und die Menschenrechte aller verteidigen. Sikhs werden ermutigt ein Chardi Kala, eine optimistische Sicht des Leben aufrechtzuerhalen. Die Sikhlehre zeigt ebenfalls das Prinzp des Teilens, Waṇḍ Chakko, mit dem Angebot einer Freiküche in den Sikh Gurudwaras (Langar), Spenden für Wohltätige Zwecke, sich für das Wohl der Gemeinde durch selbstlosen Dienst (Seva) einzusetzen, gehört zu den Grundlagen der Sikhlehre.

Die Sikh Religion sieht Gerechtigkeit als höchstes Gut der moralischen Ordnung an. Das Wort im Punjabi, welches dies verdeutlicht, ist Niau (Gerechtigkeit). Das Wort Dharam (Rechtschaffenheit) wird auch benutzt, um Gerechtigkeit zu vermitteln im Sinne einer moralischen Ordnung. Ein Angriff auf Dharam ist ein Angriff auf die Gerechtigkeit, auf die Rechtschaffenheit und damit auf die moralische Ordnung.

Gurudwara, das Gebetshaus der Sikhs

Das Gebetshaus der Sikhs wird in Gurmukhi als Guru-duara bezeichnet. Der Gurudwara oder Gurdwara ausgesprochen, ist der Toreingang zu Guru/zu Gott. Die Gurudwaras in Indien und weltweit dienen als Gebets- und Gemeindezentren der Sikhs. Sie sind offen für jeden, ungeachtet der Herkunft, Geschlecht oder des Glaubens. Hier wird auch das Guru ka Langar, das freie Essen an alle verteilt, die daran teilnehmen möchten. Die zwei Merkmale eines Gurudwaras sind Pangat und Sangat. Sangat stellt die Sikhgemeinde dar und Pangat die öffentliche Gemeinschaftsküche. Das Guru ka Langar ist das Symbol zur Verwirklichung von Gleichheit und Brüderlichkeit. Das Essen in einem Gurudwara ist rein vegetarisch und besteht aus Reis, Dal (Linsengericht), Gemüse, Roti (Fladenbrot) und Joghurt.

Vor dem Betreten des Gurudwaras wäscht sich der Besucher die Hände (optional die Füsse) und bedeckt sich den Kopf mit einem Tuch oder Dastar (Turban). Zigaretten und andere Intoxikationen dürfen nicht mit in den Gurudwara gebracht werden. Unter Gurudwara Protokoll können Sie weitere Verhaltensregeln und den Ablauf eines Gottesdienstes in der Sikhgemeinde nachlesen.

Im Sikhismus gibt es kein offizielles Priesteramt. Der Granthi  ist der zeremonielle Vorleser, Hüter und Beschützer des Siri Guru Granth Sahib in den Gurudwaras. Jeder Sikh hat die Möglichkeit den Gottesdienst zu leiten.

Abschließend

Als Guru Nanak Dev in die Welt hinausging, um die Botschaft Gottes, Akaal Purakh/Wahegurus im Kaliyuga (dem dunklen Zeitalter) zu verbreiten, wurde Guru Nanak Dev als Satguru, die Manifestation Gottes auf Erden, bezeichnet. Er selbst, wie alle neun nachfolgenden Sikh Gurus haben sich stets als Diener Gottes und der Menschheit angesehen. Zugleich hat Guru Nanak Dev seine Einheit mit Gott im Siri Guru Granth Sahib mehrfach erwähnt. Der Ursprung des Sikhismus liegt ausschliesslich in den Lehren von Guru Nanak Dev und den neun Sikh Gurus. Guru Nanak Dev lehnte bereits in jungen Jahren das Konzept des Hinduismus ab. Auch folgte er nicht der islamischen Religion. Orientalisten, Brahmanisten und westliche Gelehrte schreiben u.a., daß der Sikhismus von der Bhakti Bewegung/Santtradition des Hinduismus abstammt oder eine Synthese aus dem Hinduismus und Islam sei, beides ist in der detaillierten Analyse weder zutreffend noch korrekt. In diesen Analysen und Beschreibungen (aus den verschiedenen politisch-religiösen Gründen), nur wenige Sikhgelehrte (Gyanis), unabhängige Sikh Historiker und Wissenschaftler mit einbezogen. Die Sikhlehre teilt einen wichtigen Aspekt mit dem Bhakti Movement, dem der liebevollen Hingabe zu Gott. Aber weder Kabir noch die Santtradition des Bhakti Movements sind die Gründer der Sikh Religion. (Detailierte Vergleichsanalyse folgt).

Die Sikh Religion ist keine Synthese aus dem Hinduismus und Islam, noch sie eine Untergruppierung des Hinduismus. Auf sozio-kultureller als auch auf historisch-religiöser Ebene ist die Sikh Relgion eine distinkte, in sich völlig eigenständige Religion, basierend auf den Lehren von Guru Nanak Dev und den neun Sikh Gurus. Sikhs besitzen Ihre eigene Heilige Schrift - Siri Guru Granth Sahib. Alle Sikh Gebete, Sikh Zeremonien, wie die Namensgebung, Heirat, Tod, die Amrittaufe in den Khalsa Panth, Das Konzept vom Khalsa (Sant-Sipahi), das Gründen eines eigenen Alphabets Gurmukhi, einer eigenen Sprache/Schrift, das Meditieren auf Naam mit dem Gurmantra Waheguru, das Singen von Shabad Kirtan, der Gurbani (Gottes/Gurus Wort) sind zu Lebzeiten der Sikh Gurus verfasst und etabliert worden.