Rolle der Frau in der Sikhi

Vor über 500 Jahren hatten Frauen auf dem indischen Subkontinent in der Gesellschaft keine Rechte und auch keinen sozialen Status. Die herrschenden Klassen betrachteten die Frau als unterlegen und minderwertig an. Die Frau wurde als das Eigentum und Dienerin des Mannes angesehen. In diesem sozialgesellschaftlichen-religiösen Umfeld wurde die Frau als eine Blockade und Ablenkung auf dem spirituellen Weg des Mannes zu Gott angesehen. Frauen sprach man das jedes Recht ab, an religiösen Diskursen teilzunehmen. Nach den vorherrschenden Glaubensvorstellungen wurde der Frau mitgeteilt, dass Sie Gottverwirklichung nicht erreichen kann. Dies blieb ein Vorrecht des Mannes.

Ebenfalls wurde den Frauen das Recht auf Bildung untersagt. Männer praktizierten das Prinzip der Polygamie. Den Witwen wurde es verboten, erneut zu heiraten. Stattdessen wurden sie dazu gebracht, bei lebendigem Leib, ihrem verstorbenen Mann mit auf den Scheiterhaufen zu folgen (Sati). Kinderheirat, Kindestötung bei weiblichen Säuglingen und das Tragen des Vollschleiers (Veil) gehörten in dieses Gesellschaftsbild. Frauen wurde jedes Recht auf Eigentum untersagt. Viele Frauen wurden verschleppt und als Sklaven verkauft und gehalten.

In einem solchen Klima erschien Satguru Nanak Dev, der Gründer der Sikh Religion. Guru Nanak Dev predigte eine revolutionäre Botschaft:

Die Frau zu respektieren, sie zu wertschätzen, da sie dasselbe göttliche Licht in sich trägt wie der Mann. Beide sind die Geschöpfe des Einen omnipräsenten transzendentalen Schöpfergottes auf Erden.

500 Jahre später erwacht die Menschheit auf der Erde, das diese Botschaft eine zeitlose und fundamentale Wahrheit ist. Bis heute ist die Gleichstellungspolitik in vielen Ländern auf dieser Welt noch nicht umgesetzt.

Die Sikh Gurus ermutigten die Frauen am Sadh Sangat (der Heiligen Kongreation - dem Gottesdienst der Sikhs) teilzunehmen. Sie stellten die Frauen mit den Männern in der Sikh Gesellschaft als auch auf dem Schlachtfeld gleich. Sikh Frauen kämpften tapfer in den Kriegen mit. Die Sikh Gurus sahen stets das göttliche Licht in beiden Geschlechtern. Die Frauen waren in der Sikh Gesellschaft integriert und bekamen einen gleichberechtigten Status. Sie konnten an allen sozialen, politischen und religiösen Aktivitäten teilnehmen, welches auch das Lesen des Siri Guru Granth Sahib beinhaltete.

Sri Guru Nanak Dev:
Guru Nanak Dev brach die Tradition, dass Frauen untersagte an religiösen Diskursen teilzunehmen. Er ermutigte die Frauen im Sadh Sangat ohne Einschränkung anwesend zu sein und eine aktive Rolle zu spielen.

Sri Guru Angad Dev:
Guru Angad Dev begann die Botschaft zu verbreiten, dass Bildung für alle besonders wichtig sei. Er baute Schulen, wo Mädchen und Jungen gleichberechtigt Bildung erhielten.

Sri Guru Amar Das:
Guru Amar Das verurteilte das gesellschaftliche Brauchtum von Sati, der Hindufrauenverbrennung. Die Frauen mussten ihrem verstorbenen Mann auf den Scheiterhaufen folgen. Er sprach sich strikt gegen Kindestötung weiblicher Säuglinge aus. Guru Amar Das brachte die Stellung der Witwe in die Gesellschaft zurück. Der Sikh Frau wurde es freigestellt, nach dem Tod ihres Mannes erneut zu heiraten, wenn sie dies wünsche. Guru Amar Das setzte sich für die Freiheit von der Vollverschleierung von Frauen (veils-purdah) ein. Guru Amar Das ernannte weibliche Botschafterinnen "Piris", um die Botschaft des Sikhglaubens im Land zu verbreiten.

Sri Guru Hargobind Sahib:
Guru Hargobind Sahib deklarierte, dass die Frau

das Bewusstsein des Mannes sei

und ihr daher höchsten Respekt und Wertschätzung entgegengebracht werden sollte.

Sri Guru Gobind Singh:
Guru Gobind Singh brach mit den gesellschaftlich-religiösen und sozialen Normen, indem er Frauen und Männer gleichberechtigt in den Khalsa Panth aufnehmen lies. Zu der Zeit der Amrittaufe (Khande di Pahul/Amrit Sanchar) erhält der Mann den Namen Singh (Löwe). Die Frau erhält den Namen Kaur (Prinzessin). Der zehnte Sikh Guru erklärte:

dass eine Sikh Frau ein eigenständiges Individium in ihrem eigenen Recht sei, und dass sie daher auch nicht den Nachnamen des Mannes annehmen muss. Bis zum Ende Ihres Lebens ist sie eine Kaur.

Guru Gobind Singh sah keinen Unterschied zwischen seine Khalsa: beide Geschlechter können die 5 K's tragen und sind Geschöpfe des Einen omnipräsenten, transzendentalen Schöpfergottes. Ebenfalls richtete der Guru klare Worte an seine Khalsa, keinen Kontakt zu den Menschen zu pflegen, die ihre weiblichen Säuglinge umbringen. Guru Gobind Singh verbot strikt seinen männlichen Khalsa in Kriegszeiten jegliche Eigentumsansprüche auf Frauen geltend zu machen. Frauen der Gegner dürfen nicht als Frauen und auch nicht als Sklaven genommen werden. Stattdessen müssen sie mit höchstem Respekt und Würde behandelt werden, um den Unterschied zu verdeutlichen, was ein Khalsa des Gurus bedeutet.

Weitere Infos über "berühmte Sikh Frauen" folgen in Kürze