Gatka - Kampfkunst der Sikhs

Gatka (ਗਤਕਾ) ist eine traditionelle Art von Körper, Kampf- und Militärübung, die von den Sikhs entwickelt wurde. Sie hat ihren Ursprung im Nordwesten Indiens. Der zweite Sikh Guru, Guru Angad Dev startete mit Mall Akhara die erste physische und mentale Fitness der Sikhs. Später trainierte Baba Budha Ji, Guru Hargobind, den sechsten Sikh Guru. Guru Hargobind Sahib Ji war der Gründer der Sikh Kampfschule Ranjit Akhara in Amritsar, wo die ersten Sikhs in Kampf- und Militärübungen auf professioneller Ebene als Armee ausgebildet wurden.

Die Kampfkunst der Sikhs basiert auf einem ganzheitlichen Grundprinzip: der Vereinigung von Körper, Geist und Seele, um den Sant-Sipahi auszubilden. Diese System wurde vom sechsten Sikh Guru, Guru Hargobind initiiert, um die Menschen vor Unterdrückung, Tyrannei und Zwangskonvertierung zu beschützen. Die nachfolgenden Sikh Gurus haben die Tradition des Gatkas gepflegt und fortgeführt.

Der zehnte Sikh Guru, Guru Gobind Singh, spornte seine Sikhs, sowohl die Frauen als auch die Männer und Kinder an, Gatka zu erlernen. Die Disziplin des Gatkas wurde als spirituelle Übung unterrichtet. Während der Körperübungen rezitieren oder hören die Sikhs die Heiligen Gebete. Das göttliche Wort (Gurbani) diente dazu, dass die Sikhs furchtlos, mutig und kraftvoll kämpfen konnten - mit dem Wissen, grundlegende Werte - wie Wahrheit, Freiheit, Rechtschaffenheit und Religionsfreiheit für alle verteidigen zu können, und die Gewissheit dabei zu haben, immmer mit Gott (Guru) verbunden zu sein.

Source: Udasin Photography

In der Gatka Kampfkunst gibt es 3 Grundprinzipien:

  • Die Leichtigkeit des Lernens
  • Die Kompetenz in der Vielseitigkeit der Waffen zu meistern
  • Die Fähigkeit entwickeln, mehrere Gegner gleichzeitg zu bekämpfen

Der Gatkakämpfer erlernt als erstes, den Körper wie eine Waffe einheitlich zu bewegen, und dabei sehr aufmerksam und reaktionsschnell zu sein. Alle Verteidiungs- und Angriffstechniken werden durch die Position der Hände, Füsse und Waffen bestimmt. Gatka ermöglicht dem Ausübenden gleichzeitig zu verteidigen und anzugreifen. Es werden Waffen eingesetzt, die sowohl mit der rechten als auch mit der linken Hand benutzt werden, um so eine optimale Harmonie und Koordination von Körper und Geist zu erzielen. Gatka wird meist in Gruppen unterrichtet. Die Waffe, mit der ein Schüler beginnt, ist der Stock (Lathi), hiermit werden zunächst alle Bewegungsabläufe trainiert und die grundlegende mentale Einstellung erlernt. Wenn dieser erste Schritt erfolgreich ist, werden andere Waffen verwendet. Die wichtigste Waffe ist das Schwert. Im Gatka wird das Schwert in einer Art endloser Bewegung in Form einer liegenden Acht verwendet, dies ermöglicht die verschiedenen Ebenen von Angriff und Verteidiung zu kombinieren und ermöglicht dem Gatkakämpfer den inneren sowie den äusseren Raum um 360 Grad zu kontrollieren. Diese Qualität des Kampfes ermöglichte den Sikhs in ihren Schlachten, wo sie oft in der Unterzahl waren, dennoch siegreich zu sein.

Gatka lernt dem Praktizierenden Disziplin und Spirtualität, sowie reaktionsschnell und jederzeit wach zu sein. Gatka gibt dem Ausübenden Instrumente in die Hand, die ihm dabei helfen, sein mentales und physisches Bewusstsein im Gleichgewicht zu halten und somit die Ebene eines neutralen Geistes zu erreichen. Gatka hält den Körper fit, macht die Seele mutig, ruhig, mitfühlend und vermittelt zugleich ein Gefühl von Ausgleich.

Heute ist Gatka ein unverzichtbarer Teil des Kulturerbes der Sikhs und wird auf allen religiösen und kulturellen Festen sowohl in Indien als auch im Westen in den Sikhgemeinden und deren Festen vorgeführt, z.B. bei den Nagar Kirtan Prozessionen. Gatka ist bei jung und alt gleichermassen sehr beliebt.