1978 - Das Amritsar Massaker

Am 13. April 1978 versammelte sich die Akhand Kirtani Jatha aus ganz Indien in Amritsar, um ihr jährliches Vaisakhi Smagam abzuhalten. Der Kirtan hatte bereits zur Amrit Vela (himml.Stunde von 3-6 Uhr) begonnen. Um ca. 10 Uhr erhielt man eine wichtige Nachricht. Die Nachricht besagte, dass die Anhänger des Nirankari Chefs Gurbachan Singh eine Prozession in Amritsar hielten und beleidigende Parolen gegen den Siri Guru Granth Sahib und der Sikh Religion ausriefen.

Der Sangat wusste, dass die Nirankaris diese Art von Anti Sikhkampagnen schon seit vielen Jahren taten. Die Nirankaris gaben prominenten Gursikhs entwürdigende Namen. Sie bezeichneten den Siri Guru Granth Sahib verächtlich nur als ein Bündel von Papieren, sie nannten Kar Sewa (selbstloser Dienst) als Bikar Sewa (bikar: Becher). Aufzeichnungen zu Folge hat der Nirankari Führer gesagt, dass Guru Gobind Singh nur fünf, die Panj Pyare (Fünf Geliebten) erschaffen hatte, er aber sieben Sterne (Sat Sitaare) erschaffen würde. Der Nirankari Chef Gurbachan Singh ging noch weiter, er stellte seinen Fuß auf die Heilige Schrift und den ewig lebenden Guru der Sikhs, dem Siri Guru Granth Sahib, und beleidigte die Heilige Schrift zutiefst.

Seit 1943 haben die Nirankaris die Sikhs immer wieder angegriffen, indem sie die Gurbani verzerrt haben, um ihre verdrehten Ideale zu fördern. In den 70er Jahren geschah es, dass der damalige Nirankari Gurbachan Singh noch weiter ging. Er veröffentlichte Beiträge, die besagten, dass Gurudwara Sarowars (sarowar: See vor einem Gurudwara) keinerlei Nutzen haben und dass sie zugeschüttet werden sollten. Weiterhin behauptete er, dass Guru Gobind Singh in keinem einzigen Krieg gekämpft hätte und dass er überhaupt nichts über Meditation gewußt habe. Immer wieder beleidigte er die Heilige Schrift auf das Schlimmste.

Bhai Fauja Singh hörte dies über den Lautsprecher, als er den Teig für das Langar knetete. Er wusch sich die Hände und eilte zur Versammlung. Er überbrachte eine kurze Ansprache, erklärte diese würdelose Situation, in denen sich die Sikhs und Ihr Guru Granth Sahib befanden und zog eine Linie, indem er alle bat, die gewillt waren ein Martyrium zu akzeptieren, diese Linie zu überschreiten. Bhai Joginder Singh Talwara bat Kinder und Frauen dies nicht zu tun. Trotzdem bestanden viele Bibian (Schwestern) darauf mitzugehen. Nachdem ein Ardaas durchgeführt wurde, verneigten sich die Gursikhs vor dem Siri Guru Granth Sahib und gingen zum Ramdas Niwas.

Als sie den Ramdas Niwas erreichten, mussten sie feststellen, dass die Prozession beendet war. Die Gursikhs entschieden daraufhin, dass sie zu dem nächsten Ort, wo die Nirankaris sich versammelt hatten, gehen werden, um einen friedlichen aber resoluten Protest gegen die blasphemischen Beleidigungen des Guru Granth Sahibs abzuhalten. Aufzeichnungen zu Folge erreichten Sikhs der Akhand Kirtani Jatha und der Bhindra Jatha die Brücke Reego nahe Gobind Gar. Dort wurden sie von der Polizei gestoppt.

Die Gursikhs teilten der Polizei die Beleidigungen und Entwürdigungen, die bei den Versammlungen ausgerufen wurden, mit. Diese Beleididungen, der neuen Versammlung der Nirankaris, konnten deutlich von dem Ort, wo sie standen, gehört werden. Sie sagten der Polizei, dass sie gegen die Organisatoren der Versammlung und gegen die verletzenden Worte protestieren wollten. Ein Polizei Offizier sagte den Gursikhs, er würde gehen und die Nirankaris stoppen, und dass sie dort warten sollten. Der Polizei Offizier ging dorthin, wo sich die Nirankris versammelt hatten und die Sikhs warteten 30 Minuten geduldig auf seine Rückkehr.

Bei seiner Rückkehr wurde er von weiteren Polizisten begleitet. D.S.P Joshi teilte der versammelten Jatha mit, dass sie heimkehren sollen, und dass die Prozession schon lange beendet war. Aber die entwürdigenden provozierenden Reden konnten immer noch über die Lautsprecher gehört werden. Plötztlich stürzten ungefähr 5.000-6.000 uniformierte Nirankaris auf die 200-300 große Gruppe der Gursikhs. Innerhalb von Sekunden hatte die massive Macht der Nirankaris sie gandenlos mit Pistolen, Gewehren, Speeren, Schwertern, Pfeil und Bogen, Stöcken, Steinen, Säureflaschen und selbstgemachten Bomben attackiert.

Die Gursikhs, die von Kugeln getroffen wurden, fielen zu Boden und wurden danach brutal mit Schwertern, Speeren und Beilen niedergemetzelt. Als sich der Boden mit den Körpern der Toten und Verwundeten abzeichnete, feuerte die Polizei sogar Tränengas und Kugeln in Richtung der Sikh Jatha, womit weitere Verletzungen und Todesfälle verursacht wurden. Auf diese Art und Weise erhielten die Nirankaris die grösste Unterstützung und wurden weiter ermutigt.

Bhai Fauja Singh Ji wurde von dem Superintendent der Polizei angeschossen, der alle Kugeln seiner Pistole in Bhai Fauja's Brust abfeuerte. Die waren jedoch nicht die einzigen Kugeln, die ihn an diesem Tag treffen sollten. Er blieb stehen und rezitierte Waheguru.

Zwei Sikhs versuchten den immer noch atmenden und singenden Bhai Fauja Singh in ein nahegelegendes Krankenhaus in die Notaufnahme zu bringen, sie wurden jedoch rasch von der Polizei verhaftet. Bhai Fauja Singh's Körper wurde von der Polizei weggebracht und in einen Totenwagen gelegt. Widerum kam ein weiterer Sikh zu Bhai Fauja Singh's Rettung, der ihn immer noch atmend und Waheguru rezitierend vorfand. Er versuchte zu helfen, jedoch eine halbe Stunde später, als Bibi Amarjit Kaur erschien, erlangte Bhai Fauja Singh das Martyrium.

D.S.P. Joshi war verantwortlich für das Erschießen von Bhai Fauja Singh. Er erlaubte niemandem Bhai Fauja Singh medizinische Hilfe zu leisten. Schließlich brachte die Polizei die Körper der Shaheeds ins Leichenschauhaus. Die Verwundeten wurden ins Krankenhaus gebracht.

Erstaunlicherweise ging die Versammlung der Nirankaris, nachdem dieses blutige Massaker geschehen war, noch 3 1/2 Stunden weiter. Es wurde auch bekannt, dass der District Commissioner von Gurdaspur, Naranjan Singh I.A.S., und weitere höhere Offiziere während des Massakers in der Versammlung mit anwesend waren.

Die Authoritäten des Amritsar Distrikts haben den Nirankaris genehmigt, ihre Prozession in der Hauptstadt der Sikhs während Vaisakh, einem der Hauptfeiertage der Sikhs, abzuhalten. Der Polizeiapparat unter Anleitung der Regierung hat den Nirankaris erlaubt, nach freiem Willen zu töten, ohne einzugreifen.

In diesem blutigen Massaker wurden 13 Singhs zu Märtyrern und mehr als 70 wurden schwer verwundet. Viele von ihnen hinterließen Ehefrauen und Kinder. Die Namen der 13 Shaheed Singhs sind:

  • Bhai Fauja Singh s/o Surain Singh, Amritsar
  • Bhai Avtar Singh s/o Bhagwan Singh Kuda Kurala, Hoshiarpur
  • Bhai Harbhajan Singh s/o Jagat Singh, Bhattian, Gurdaspur
  • Bhai Piara Singh s/o Kishan Singh, Bhungrani, Hoshiarpur
  • Bhai Raghbir Singh s/o Nawab Singh, Bhagupur, Amritsar
  • Bhai Gurcharan Singh s/o Daleep Singh, New Model Town, Ludhiana
  • Bhai Gurdial Singh s/o Sohan Singh, Mode, Amritsar
  • Bhai Amrik Singh s/o Kundan Singh, Khujala, Amritsar
  • Bhai Dharambir Singh s/o Lal Singh, Ajeet Nagar, Amritsar
  • Bhai Kewal Singh s/o Amar Singh, Prem Garh, Hoshiarpur
  • Bhai Hari Singh s/o Gurcharan Singh, Kot Ralia Ram, Amritsar
  • Bhai Ranbir Singh Fauji s/o Kala Singh, Thraj, Faridkot
  • Baba Darshan Singh s/o Achhar Singh Ji, Mehtha, Amritsar

Das Begräbnis wurde am Samstag, den 15. April 1978, vor dem Gurudwara Ramsar Sahib, vor einer Versammlung von ungefähr 25.000-30.000 Sikhs abgehalten. Die dreizehn Märtyrer wurden auf einem einzigen Scheiterhaufen vereint, um zusammen verbrannt zu werden.

Alles was blieb, war die Asche und das Beispiel in solch´ aussichtlosen Situtationen, gegen diese religiöse, sozial-politische Unterdrückung und Ungerechtigkeit vorzugehen.